Die “dicke Bertha”

18 Meter hoch, 17.5 Meter im Durchmesser und 100 Meter lang – dürfen wir vorstellen: Bertha. Der Name Bertha lässt zunächst nicht vermuten, dass es sich um die größte Tunnelbohrmaschine der Welt handelt. Angelehnt ist der Spitzname an die frühere Bürgermeisterin Bertha Knight Landes – warum, dazu schweigen und lächeln die Bauarbeiter nur. Ihr letztes Projekt, eine unterirdische Autobahn im US-Amerikanischen Seattle, sorgte für Aufsehen. Spektakuläre Bilder des Durchbruchs zur Oberfläche gingen um die Welt. Viele Jahre lang grub Bertha unter der Oberfläche, bis sie 2017 wieder Tageslicht erblickte. Beim Tunnelbau ist Präzision eben wichtiger als Geschwindigkeit.

Kein Spaziergang

Das Milliarden-Projekt Alaskan Way Viaduct replacement tunnel war für diese gigantische Tunnelbohrmaschine jedoch auch kein Spaziergang. Betonmauern galt es zu durchbrechen und drei Kilometer Strecke unterirdisch zurück zu legen.  Ein Stahlrohr, dass sich in Berthas Zähnen verkeilte, ließ es 2013 beinahe so aussehen, als wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt war die gigantische Tunnelbohrmaschine nur 350 Meter weit gekommen – und gab den Geist auf. Um sie zu reparieren und ihren Bohrkopf zu verstärken, musste sie sogar freigegraben werden was das Bauprojekt um ganze drei Jahre verzögerte und zusätzlich Milliarden kostete. Erst 2015 konnten die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden. Fertiggestellt wird das Projekt voraussichtlich im Laufe des Jahres 2019. Der Defekt der Maschine klingt zwar ganz harmlos, jedoch drohten sogar Häuser und ein Viadukt einzustürzen. Der 36 Meter tiefe Schacht, den die Bauarbeiter graben mussten um zu Bertha vorzudringen, ließ einen ganzen Häuserblock um 2.5 Zentimeter absinken. Glücklicherweise konnte das Erdreich jedoch stabilisiert und Bertha repariert werden.

tunnelbohrmaschine bertha
screenshot Lausitzer Allgemeine

Was passiert nach dem Projekt?

Die Tage von Bertha sind gezählt. Sobald das Bauprojekt fertig gestellt ist, wird die Gigantin in ihre Einzelteile zerlegt. Das erscheint nur logisch, bedenkt man ihre schiere Größe. Allerdings werden die Einzelteile nicht zum nächsten Mega-Projekt transportiert und dort wieder zusammengesetzt. Viele der Komponenten werden verschrottet und recycelt, der Rest wird zum japanischen Hersteller zurück gebracht. Wer nimmt Platz Eins der größten Tunnelbohrmaschine der Welt ein, sobald Bertha das zeitliche gesegnet hat? Ein Kandidat für diesen Titel ist fraglos die TBM, eine deutsche Produktion der Firma Herrenknecht. Sie wird derzeit in London eingesetzt. Mit einem Gewicht von 1000 Tonnen frisst sie sich durch das Gestein. Sieben Tonnen fördert sie dabei in einem einzelnen Arbeitsgang zu Tage – hierfür sind jedoch auch 20 Arbeiter nötig, die die Tunnelbohrmaschine bedienen. Angetrieben wird dieser Gigant von 23 Elektromotoren die es auf insgesamt 4168 PS bringen.  

Gabi, Suse und Trude – die Schwestern von Bertha

Altdeutsche Namen scheinen sich unter Tunnelbohrmaschinen großer Beliebtheit zu erfreuen. Neben Bertha gibt es beispielsweise auch ihre Schwestern Gabi, Suse und Trude. Meist kürzen diese Namen jedoch nur etwas ab. Trude steht zum Beispiel für „Tief runter unter die Erde“ und Suse für „Stuttgart-Ulm schneller erreicht“. Suse wurde für das Projekt Stuttgart 21 herangezogen und fräste sich von der Filderhochebene in Richtung Stuttgarter Talkessel. Trude bohrte drei Jahre lang die vierte Röhre des Elbtunnels. Die Untertage-Fabrik Gabi bekam ihren Beinamen da sie gleichzeitig mehrere Funktionen erfüllt. Beim Fräsen durch den Stein fällt Schutt an, der sofort durch die Maschine nach hinten befördert wird. Mit einem Förderband gelangen Baumaterialien in das Innere der Tunnelbohrmaschine. Halbrunde Baustahlmatten werden von der Maschine über Kopf montiert und im hinteren Teil befindet sich ein Betonspritzroboter, die die Baustahlmatten sofort mit Beton überziehen. 

Fazit

Tunnelbohrmaschine sind gigantische Werkzeuge. Mit unvorstellbarer Größe, Gewicht und Leistung fräsen sie sich Zentimeter für Zentimeter durch das unterirdische Gestein. Die Präzision die hinter solchen Bauwerken steht, und die Zeit, die es braucht den Boden zu untertunneln, sind enorm. Wer einmal eine solche Maschine gesehen hat, wird Tunnel nie wieder mit den selben Augen betrachten.